Dienstagmorgen, eine Minute vor
acht, Regen. Ursprünglich wollte ich um sieben aufstehen, um die Sense zu
schwingen. Doch einmal mehr wollen sich meine Pläne nicht umsetzen lassen. Ich
nehme mir viel vor, ich schaffe viel nicht, weil viel dazwischen kommt. Es ist
zum Haare Ausreißen. Es kommt mir so vor, als wolle da jemand verhindern, dass
ich produktiv bin. Freizeit habe ich im Moment genug. In der letzten Woche
besuchten mich meine Eltern und da wir uns ein Auto gemietet hatten, konnten
wir auch Orte besuchen, an die ich noch nicht gekommen war. Die Höhlenfestung
Uplisziche zum Beispiel, die einst Platz für 10.000 Menschen geboten haben
soll. Oder Sighnaghi, eine kleine Stadt auf einem Berg, mitten in unserem
schönen Kachetien gelegen. Es ist unglaublich, wie viele Gelder in den letzten
Jahren dorthin geflossen sein müssen. Die Stadt wurde renoviert – allerdings nur
äußerlich. Es kommt vor, dass man hier durch das Fenster eines imposanten alten
Hauses schaut und nichts als eine heruntergekommene Ruine erblickt. Ein
seltsamer Ort, rein auf Tourismus ausgelegt. Doch schon allein die Straße war
ja tatsächlich ein Erlebnis; eine sich komplett im Umbau befindliche
Serpentinenstraße. Zuhause wäre diese natürlich gesperrt worden, hier kann man
den Fortschritt direkt beobachten. Nachdem man den Rückweg antritt, wird
bereits die erste Kurve geteert. Zudem haben wir den 26. Mai hautnah in der
Hauptstadt miterleben dürfen. Es handelt sich um den Nationalfeiertag, an dem
die Einheit und Unabhängigkeit Georgiens gefeiert wird. Was insofern schwierig
ist, da sich die beiden Konfliktherde Abchasien und Südosstien als autonom
bezeichnen, was von vielen Georgiern jedoch konsequent ignoriert wird. Die
beiden Gebiete hätten schon immer zu Georgien gehört und sie sollten es auch in
Zukunft, so die Message. Die Werbebanner, die schon Tage zuvor in der gesamten
Stadt (wahrscheinlich in ganz Georgien) angebracht wurden, zeigten jedenfalls
die Umrisse eines vereinigten Georgiens, so wie es im Moment faktisch einfach
nicht existiert. Nicht nur das kam einen an diesem Tag seltsam vor, es war die
Art und Weise, wie sich das Land auf der Prachtstraße der Hauptstadt zu
präsentieren versuchte. Trampolinspringende Jugendliche, Käseverkostung und der
Jachtclub. Weiter hinten – auf dem Freiheitsplatz – eine Darbietung der
militärischen Ausrüstung. Dunkelgrüne Panzer mit rosa Flecken zeigen, was an PS
in ihnen steckt. Kleine Kinder posieren für ihre Eltern auf den sauber
angeordneten Gefährten (Bilder folgen, wenn wieder genügend Internet am Start ist).
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