Dienstag, 3. Juni 2014

Ich wollte ein Okapiposter

Dienstagmorgen, eine Minute vor acht, Regen. Ursprünglich wollte ich um sieben aufstehen, um die Sense zu schwingen. Doch einmal mehr wollen sich meine Pläne nicht umsetzen lassen. Ich nehme mir viel vor, ich schaffe viel nicht, weil viel dazwischen kommt. Es ist zum Haare Ausreißen. Es kommt mir so vor, als wolle da jemand verhindern, dass ich produktiv bin. Freizeit habe ich im Moment genug. In der letzten Woche besuchten mich meine Eltern und da wir uns ein Auto gemietet hatten, konnten wir auch Orte besuchen, an die ich noch nicht gekommen war. Die Höhlenfestung Uplisziche zum Beispiel, die einst Platz für 10.000 Menschen geboten haben soll. Oder Sighnaghi, eine kleine Stadt auf einem Berg, mitten in unserem schönen Kachetien gelegen. Es ist unglaublich, wie viele Gelder in den letzten Jahren dorthin geflossen sein müssen. Die Stadt wurde renoviert – allerdings nur äußerlich. Es kommt vor, dass man hier durch das Fenster eines imposanten alten Hauses schaut und nichts als eine heruntergekommene Ruine erblickt. Ein seltsamer Ort, rein auf Tourismus ausgelegt. Doch schon allein die Straße war ja tatsächlich ein Erlebnis; eine sich komplett im Umbau befindliche Serpentinenstraße. Zuhause wäre diese natürlich gesperrt worden, hier kann man den Fortschritt direkt beobachten. Nachdem man den Rückweg antritt, wird bereits die erste Kurve geteert. Zudem haben wir den 26. Mai hautnah in der Hauptstadt miterleben dürfen. Es handelt sich um den Nationalfeiertag, an dem die Einheit und Unabhängigkeit Georgiens gefeiert wird. Was insofern schwierig ist, da sich die beiden Konfliktherde Abchasien und Südosstien als autonom bezeichnen, was von vielen Georgiern jedoch konsequent ignoriert wird. Die beiden Gebiete hätten schon immer zu Georgien gehört und sie sollten es auch in Zukunft, so die Message. Die Werbebanner, die schon Tage zuvor in der gesamten Stadt (wahrscheinlich in ganz Georgien) angebracht wurden, zeigten jedenfalls die Umrisse eines vereinigten Georgiens, so wie es im Moment faktisch einfach nicht existiert. Nicht nur das kam einen an diesem Tag seltsam vor, es war die Art und Weise, wie sich das Land auf der Prachtstraße der Hauptstadt zu präsentieren versuchte. Trampolinspringende Jugendliche, Käseverkostung und der Jachtclub. Weiter hinten – auf dem Freiheitsplatz – eine Darbietung der militärischen Ausrüstung. Dunkelgrüne Panzer mit rosa Flecken zeigen, was an PS in ihnen steckt. Kleine Kinder posieren für ihre Eltern auf den sauber angeordneten Gefährten (Bilder folgen, wenn wieder genügend Internet am Start ist).

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