Zu allererst tut es mir erst mal
leid, dass ich in den letzten Tagen so wenig geschrieben habe. Unser
Internetstick führt irgendwie ein Eigenleben, das wir nicht zu verstehen
scheinen. Anfangs ging es beinahe problemlos, dann nur noch auf Thalias PC und
schließlich gar nicht mehr. Als wir in Telawi waren, mussten wir quasi Internet
schnorren, da es der erste Schultag war und alle Jungs anschließend Spielchen
in den Internetcafés spielen mussten. Wir waren dann mal so dreist, das
Internet des örtlichen „Amt-für-alles-und-nichts“ mitzubenutzen, um unsere
E-Mails abzurufen – unter den tadelnden Blicken der Putzfrau versteht sich. Das
Amt passt perfekt in die Stadt, welche in den letzten Jahren herausgeputzt
wurde und nun als Vorzeigestadt der Region herhält (so wurde es mir zumindest
berichtet). Es ist moderner als alle Ämter, die ich in Deutschland je besuchen
durfte, es besitzt Hightech-Fotoapparate, Wi-Fi, einen Wasserspender und die
wohl saubersten Toiletten der Stadt. Auf dem Basar geht es da schon ganz anders
zu – auf der einen Seite wird gerade ein Schwein zerteilt, auf der anderen ist
ein Haushaltswarenstand und gleich daneben werden diese „Fruchtwürste“ mit
Nussfüllung angeboten. Als wir Mädels letzten Sonntag nach Telawi getrampt
waren, haben wir dort auch noch den halben Stoffladen aufgekauft. Seit die
schweizer Familie da war, haben wir nämlich eine neue Nähmaschine .. und einen
Truck (für was wir den benutzen können, weiß ich allerdings noch nicht so
genau). Ich hatte die Idee, Taschen für den Markt zu entwerfen und schließlich
auch zu nähen. Mal schauen, ob das klappt, ich wäre zumindest sehr froh
darüber. Das Trampen hier ist übrigens sehr einfach und sehr effizient – da man
sich nicht gut verständigen kann und die Georgier sehr gastfreundlich ist,
fahren einen die meisten bis ans gewünschte Ziel, auch wenn man ihnen vorher
klar machen wollte, dass das nicht notwendig sei. Außerdem passiert es nicht
selten, dass irgendeiner der Insassen eine deutschsprachige Person kennt, die
er sogleich anrufen muss, um mir danach den Telefonhörer in die Hand zu
drücken. Selbiges ist uns auch beim ersten (und einzigen) Mal passiert, als wir
in das nächst größere Dorf gelaufen sind. Der Typ, der am Tag vorher in unserem
Garten verweilte und mir, als ich ihm meine Hilfe anbieten wollte, alle
Gemüsesorten zeigte, kam vorbei uns rief einen Bekannten an. Wir wollten
eigentlich nur ein bisschen Wein und Milch kaufen und hatten unser Ziel
eigentlich auch schon erreicht, deshalb unterhielt ich mich einfach mit dem Telefonkontakt,
welcher wie sich später herausstellen sollte sehr oft bei uns verweilt. Ich
habe allerdings nicht begriffen wer der hilfsbereite Typ mit den blauen Augen
und dem roten Auto ist, auch nicht als Ruslan irgendetwas von wegen
Bürgermeister am Telefon sagte. Erst Tage später stellte mir Jean-Jacques ihn
(an diesem Tag mit einem Nemo-Shirt bekleidet) als den Bürgermeister vor. Die
Sache war uns dann doch ganz schön peinlich .. das auf dem Foto sind übrigens Sandrine und ich in unserem neuen Stammcafé in Telawi (ja, ich musste meinem Kopf etwas Luft verschaffen, habe aber auf die Ratzeputz-Version verzichtet).
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