Samstag, 29. März 2014

Als der Wald brannt‘

Diese Szene hätte aus einem Film stammen können; Thalia und ich auf Fahrrädern sitzend (Fahrräder, eine Seltenheit; Mädchen auf Fahrrädern, extremer Seltenheitswert) – die Arme ausgestreckt – das blaue Kleid mit den weißen Punkten flattert im Wind (auf dem Fahrrad ist das eher unvorteilhaft) – im Dorf ist es still – Wetterumschwung – vorbeifahrendes Feuerwehrauto (das erste, das wir hier je sahen) – Blicke in Richtung des Waldrands – Waldbrand. Meine Wangen glühen, auch dort hat es schon gebrannt, gestern als die Sommerklamotten hervorgekramt wurden. Noch etwas brennt – es ist der Bienenstich an meinem Arm. Im Herzen macht sich auch ein kleiner Schmerz breit. Es ist die Tatsache, dass wir nach einem halben Jahr in diesem Land die Sprache noch nicht im Entferntesten beherrschen. Tagsüber umgeben von Europäern, kein Georgisch-Unterricht und ein Mangel an Energie nach einem anstrengenden Tag im Garten – das alles zieht nun nicht mehr. Wir müssen, weil wir wollen. Und wir wollen es immer mehr. Warum sind wir nicht schon eher auf die Idee gekommen, in der Schule des benachbarten Dorfs nachzufragen, ob dort ein Englisch-Lehrer etwas Zeit für uns zwei hat? Das weiß keiner, doch das ist nun auch nicht mehr wichtig. Kalebis mußußi (Schürzenjäger) und alubali (Sauerkirsche) – unser Wortschatz wird reicher, doch es liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.

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