Diese
Szene hätte aus einem Film stammen können; Thalia und ich auf Fahrrädern
sitzend (Fahrräder, eine Seltenheit; Mädchen auf Fahrrädern, extremer
Seltenheitswert) – die Arme ausgestreckt – das blaue Kleid mit den weißen
Punkten flattert im Wind (auf dem Fahrrad ist das eher unvorteilhaft) – im Dorf
ist es still – Wetterumschwung – vorbeifahrendes Feuerwehrauto (das erste, das
wir hier je sahen) – Blicke in Richtung des Waldrands – Waldbrand. Meine Wangen
glühen, auch dort hat es schon gebrannt, gestern als die Sommerklamotten
hervorgekramt wurden. Noch etwas brennt – es ist der Bienenstich an meinem Arm.
Im Herzen macht sich auch ein kleiner Schmerz breit. Es ist die Tatsache, dass
wir nach einem halben Jahr in diesem Land die Sprache noch nicht im
Entferntesten beherrschen. Tagsüber umgeben von Europäern, kein
Georgisch-Unterricht und ein Mangel an Energie nach einem anstrengenden Tag im
Garten – das alles zieht nun nicht mehr. Wir müssen, weil wir wollen. Und wir
wollen es immer mehr. Warum sind wir nicht schon eher auf die Idee gekommen, in
der Schule des benachbarten Dorfs nachzufragen, ob dort ein Englisch-Lehrer
etwas Zeit für uns zwei hat? Das weiß keiner, doch das ist nun auch nicht mehr
wichtig. Kalebis mußußi (Schürzenjäger) und alubali
(Sauerkirsche) – unser Wortschatz wird reicher, doch es liegt noch ein
gutes Stück Arbeit vor uns.
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