Sonntag, 20. Oktober 2013

Wie das hier so mit der Post läuft ..

Wenn einem die Eltern sagen, dass sie gerne ein Päckchen schicken würden, da denkt man sich nichts dabei, da freut man sich einfach. Es sollte ein Versuch werden, man wüsste ja noch nicht, wie das hier so mit der Post laufe. Tja mittlerweile kann ich ein Lied davon singen, wie es hier mit der Post läuft. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich wohl lieber auf das Päckchen aus den deutschen Landen verzichtet .. und die Geschichte geht so: man erhält am Donnerstag einen Anruf aus der Poststation in Akhmeta wegen eines Paketes, das an eine gewisse Maria Stenglein adressiert ist. Leider reicht mein Georgisch noch nicht aus, um ein Gespräch mit einem Postbeamten zu führen und leider war auch sonst niemand da, der Georgisch sprach - bis auf den Nachbarn, der gerade die Fliesen verlegte. Leider ist dieser etwas schwerhörig und auch deshalb dauerte es eine ganze Weile bis zumindest einige Informationen ausgetauscht waren. Ich war sehr verwundert darüber, dass ich zuerst nach Telawi und danach nach Akhmeta fahren sollte, um meine Sendung zu erhalten. Doch ich dachte mir „Gut, dann ist das halt so.“, schob es aber noch bis Dienstag auf. Als Ruslan mich mit seinem neuen Schlitten (genannt „Trabbi“) abholen kam, freute ich mich eigentlich über den Ausflug, da ich so dem alltäglichen Stress ein bisschen zu entkommen hoffte. Denkste! In Telawi ging es schon mal damit los, dass die Poststelle umgezogen war, also machten wir uns auf die Suche nach der neuen. Dort angekommen musste der Telawi-Postbeamte erst noch Rücksprache mit seinem Kollegen in Akhmeta führen, um uns dann mitzuteilen, dass wir zuerst zum Finanzamt sollten, um dort einen Code zu beantragen. Gesagt, getan, ab zum Finanzamt. Die jungen Beraterinnen verwiesen mich gleich zur älteren, da die Sachlage etwas schwieriger zu sein schien. Diese benötigte dann die Nummer meines Personalausweises, den ich aber in Deutschland gelassen hatte (um ihn nicht zu verlieren). Also wurde die Mutti angerufen und nach der Nummer befragt. Zwei Stunden später – nach einigen Verständigungs- und Internetschwierigkeiten – erhielt ich schließlich einen Zettel mit einer Nummer, die mich dazu berechtigen sollte, an mich adressierte Post abzuholen. So schön, so gut – weiter nach Akhmeta. Dort angekommen, mussten wir schon sehr lange suchen, um die Poststelle zu finden, die befand sich nämlich im hinterletzten Winkel eines halbabgerissenen Hauses aus Sowjetzeiten. Die beiden Beamten schienen sehr beschäftigt, deshalb musste ich erst mal warten. Danach nahmen sie sich meines Päckchens an und ich musste, wer hätte das gedacht, noch länger warten. Eine Stunde und zwei Stempel und drei Unterschriften später hielt ich es dann in den Händen. Ich musste den netten Herren jedoch 20 Lari bezahlen (wahrscheinlich für ihre unglaubliche Mühsal), darüber hinaus überreichten sie mir einen Zettel, auf dem ein Betrag geschrieben stand, den ich in der Bank begleichen sollte. Warte mal – noch mehr zahlen? Meine Eltern haben doch schon .. ach, was soll's, ich will einfach nur heim. Weiter zur Bank, doch da herrschte sehr reges Treiben – überall Menschen, überall Gedränge und lautes Durcheinander-Rufen. Ich wollte eigentlich Geld abheben, doch an einem Schalter, der für eine ganze Region reichen muss und an dem in diesem Moment um die 15 Leute auf ihr Drankommen warteten und dabei neugierig alle Geschäfte des Vordermannes mitverfolgten, verzichtete ich dann doch darauf. Ruslan war bereit, mir das Geld zu leihen (57 Lari), doch musste er erst dem jungen Mann mit dem Wuschelhaaren aus dem Direktoren-Zimmer Feuer unterm Hintern machen, damit es voranging. Währenddessen saß ich bereits im Auto und schüttete mich mit Fanta voll. Als Ruslan dann endlich herauskam, mit meiner Quittung, fuhren wir weiter – natürlich nicht nachhause, sondern zum Automaten, wo er seine Parksünde abbezahlen sollte. Erledigt, weiter? Nein, erst musste noch eine halbe Schlägerei angezettelt werden, mit einem Mann, der ihm in der Bank blöd gekommen war .. ok, jetzt ging es aber wirklich zurück nach Argokhi, wo ich stöhnend die Tür öffnete und mit viel Bedauern erkannte, dass Apfelschneiden wohl doch ein geringeres Stress-Risiko birgt. Trotzdem ein dickes Dankeschön für all die netten Kleinigkeiten, die uns die Zeit hier versüßen sollen! Ich habe mich sehr gefreut, als ich es endlich geöffnet hatte, mein Päckchen.

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