Wenn einem die Eltern sagen, dass sie gerne ein Päckchen schicken würden, da denkt man sich nichts dabei, da freut man sich einfach. Es sollte ein Versuch werden, man wüsste ja noch nicht, wie das hier so mit der Post laufe. Tja mittlerweile kann ich ein Lied davon singen, wie es hier mit der Post läuft. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich wohl lieber auf das Päckchen aus den deutschen Landen verzichtet .. und die Geschichte geht so: man erhält am Donnerstag einen Anruf aus der Poststation in Akhmeta wegen eines Paketes, das an eine gewisse Maria Stenglein adressiert ist. Leider reicht mein Georgisch noch nicht aus, um ein Gespräch mit einem Postbeamten zu führen und leider war auch sonst niemand da, der Georgisch sprach - bis auf den Nachbarn, der gerade die Fliesen verlegte. Leider ist dieser etwas schwerhörig
und auch deshalb dauerte es eine ganze Weile bis zumindest einige
Informationen ausgetauscht waren. Ich war sehr verwundert darüber,
dass ich zuerst nach Telawi und danach nach Akhmeta fahren sollte, um
meine Sendung zu erhalten. Doch ich dachte mir „Gut, dann ist das
halt so.“, schob es aber noch bis Dienstag auf. Als Ruslan mich mit
seinem neuen Schlitten (genannt „Trabbi“) abholen kam, freute ich
mich eigentlich über den Ausflug, da ich so dem alltäglichen Stress
ein bisschen zu entkommen hoffte. Denkste! In Telawi ging es schon
mal damit los, dass die Poststelle umgezogen war, also machten wir
uns auf die Suche nach der neuen. Dort angekommen musste der
Telawi-Postbeamte erst noch Rücksprache mit seinem Kollegen in
Akhmeta führen, um uns dann mitzuteilen, dass wir zuerst zum
Finanzamt sollten, um dort einen Code zu beantragen. Gesagt, getan,
ab zum Finanzamt. Die jungen Beraterinnen verwiesen mich gleich zur
älteren, da die Sachlage etwas schwieriger zu sein schien. Diese
benötigte dann die Nummer meines Personalausweises, den ich aber in
Deutschland gelassen hatte (um ihn nicht zu verlieren). Also wurde
die Mutti angerufen und nach der Nummer befragt. Zwei Stunden später
– nach einigen Verständigungs- und Internetschwierigkeiten –
erhielt ich schließlich einen Zettel mit einer Nummer, die mich dazu
berechtigen sollte, an mich adressierte Post abzuholen. So schön, so
gut – weiter nach Akhmeta. Dort angekommen, mussten wir schon sehr
lange suchen, um die Poststelle zu finden, die befand sich nämlich
im hinterletzten Winkel eines halbabgerissenen Hauses aus
Sowjetzeiten. Die beiden Beamten schienen sehr beschäftigt, deshalb
musste ich erst mal warten. Danach nahmen sie sich meines Päckchens
an und ich musste, wer hätte das gedacht, noch länger warten. Eine
Stunde und zwei Stempel und drei Unterschriften später hielt ich es
dann in den Händen. Ich musste den netten Herren jedoch 20 Lari
bezahlen (wahrscheinlich für ihre unglaubliche Mühsal), darüber
hinaus überreichten sie mir einen Zettel, auf dem ein Betrag
geschrieben stand, den ich in der Bank begleichen sollte. Warte mal –
noch mehr zahlen? Meine Eltern haben doch schon .. ach, was soll's, ich will einfach nur heim. Weiter zur
Bank, doch da herrschte sehr reges Treiben – überall Menschen,
überall Gedränge und lautes Durcheinander-Rufen. Ich wollte
eigentlich Geld abheben, doch an einem Schalter, der für eine ganze
Region reichen muss und an dem in diesem Moment um die 15 Leute auf
ihr Drankommen warteten und dabei neugierig alle Geschäfte des
Vordermannes mitverfolgten, verzichtete ich dann doch darauf. Ruslan
war bereit, mir das Geld zu leihen (57 Lari), doch musste er erst dem
jungen Mann mit dem Wuschelhaaren aus dem Direktoren-Zimmer Feuer
unterm Hintern machen, damit es voranging. Währenddessen saß ich
bereits im Auto und schüttete mich mit Fanta voll. Als Ruslan dann
endlich herauskam, mit meiner Quittung, fuhren wir weiter –
natürlich nicht nachhause, sondern zum Automaten, wo er seine
Parksünde abbezahlen sollte. Erledigt, weiter? Nein, erst musste
noch eine halbe Schlägerei angezettelt werden, mit einem Mann, der
ihm in der Bank blöd gekommen war .. ok, jetzt ging es aber wirklich
zurück nach Argokhi, wo ich stöhnend die Tür öffnete und mit viel
Bedauern erkannte, dass Apfelschneiden wohl doch ein geringeres
Stress-Risiko birgt. Trotzdem ein dickes Dankeschön für all die netten Kleinigkeiten, die uns die Zeit hier versüßen sollen! Ich habe mich sehr gefreut, als ich es endlich geöffnet hatte, mein Päckchen.
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