Mittwoch, 21. Mai 2014

Turbolent und doch entspannt

In den vergangenen Wochen haben wir Vieles erleben dürfen, vor allem privater Natur. Die Gärten wurden eher nebensächlich, gezwungenermaßen. Denn das Wetter spielte nicht immer so gut mit - erst war es zu heiß, um in den Mittagsstunden draußen zu arbeiten und jetzt regnet es seit zwei Tagen fast ununterbrochen. Da war mir das Wetter vorher um Einiges lieber; es war sonnig und warm, doch abends kam unvermittelt ein Stürmchen auf und nahm uns das Gießen gänzlich aus der Hand. Zudem haben wir jetzt zweimal wöchentlich Georgisch-Stunden in Telavi, zu denen wir nach dem Mittagessen aufbrechen und von denen wir erst am Abend zurückkehren. Über einen Mangel an Besuchern können wir zur Zeit auch nicht klagen. Vor zwei Wochen vier junge Leute aus Tbilisi, die interessiert daran sind, in der Nähe ein Eco-Village aufzubauen und gleichzeitig zwei Couchsurfer. Ein Photograph aus Venezuela mit seiner Partnerin aus Sibirien - ein sehr nettes Pärchen. Diese Woche kam uns eine Freiwillige aus Tbilisi besuchen und nächste Woche kommen meine Eltern. Gleichzeitig lernen wir immer mehr Einheimische kennen, zum Beispiel beim Zurücktrampen von den Unterrichtsstunden. Zudem wächst unser Draht zu den Leuten im Dorf. Letzte Woche waren wir zum ersten Mal zu Gast auf einer georgischen Geburtstagsfeier (ein Erlebnis) und gestern durften wir erstmals dabei zusehen, wie eine Georgierin Khachapuri herstellt (faszinierend). Es ist unglaublich, wie schnell es gehen kann, wenn man die Sprache zumindest einigermaßen beherrscht.

Montag, 21. April 2014

Zu Besuch bei uns

Outdoor-Dusche am Werden
Kräuterschneckchen
Wir sind angekommen in unserem neuen Heim. Und nicht nur wir - im Moment ist Thalias Familie zu Gast und unser kleines Haus droht aus allen Nähten zu platzen. Doch bisher haben wir für jeden noch ein Schlafplätzchen finden können. Ich freue mich sehr darüber, dass Leben in der Bude ist. Besonders schön war es für uns natürlich, die Osterfeiertage in einem größeren Kreis zu verbringen. Mittlerweile haben wir uns gut eingerichtet und es wird von Tag zu Tag etwas komfortabler, auch dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Gäste. Hiermit möchte ich meine Einladung an all die lieben Menschen zuhause noch einmal bekräftigen. Georgien ist ein wunderschönes Land, in dem es unglaublich viel zu entdecken gibt. Wenn man frühzeitig bucht und etwas flexibel in der Urlaubsplanung ist, kann man Flüge schon ab 200 € (hin und zurück) finden. Ihr seid neugierig? Kommt vorbei! Wir freuen uns sehr über Besuch und ich habe da auch noch etwas Urlaub in der Hinterhand. Falls ihr das Angebot in Erwägung zieht, sagt bitte so früh wie möglich bescheid, damit ich mich danach richten kann. Ich hoffe, ihr hattet eine ebenso schöne Osterzeit wie wir. Die Woche hatte es schon einmal 28°C gehabt, das heißt der Frühling ist beinahe schon wieder vorbei.

Donnerstag, 17. April 2014

atibitchebidaertigogo

Obwohl ich im Moment vor lauter Arbeit gar nicht mehr weiß, wo ich nun anpacken soll, konnte ich nicht widerstehen, ja zu dem Vorschlag zu sagen, einen Ausflug mit unserem derzeitigen Wwoofer und dessen Bekannten zu machen. Dawid Garedscha ist eines der Ausflugsziele, welches anscheinend auf keinem Georgien-Reiseplan fehlen darf. „Gut, ok, damit ich auch mal dort gewesen bin“ dachte ich mir, „und ein bisschen Wandern ist doch auch ganz nett.“ Sachen gepackt, nach Alvani die halb neun Marschutka bestiegen. Alles läuft wie am Schnürchen, bis auf das mit der Tbilisi-Fahrt. Nur noch ein Platz frei? Übern Gombori auf dem Boden sitzend? Es soll wohl einfach nicht sein. Trampen. Telavis Marschutka fährt über Sagaredscho? Wie praktisch! Bekannter trudelt ein. Wie das Taxi hin und zurück würde 40 Lari kosten? Das sparen wir uns, wir trampen! Im Nachhinein eine relativ dumme Idee. Andererseits haben wir so viel mehr erlebt, als wir es sonst getan hätten. Auto Nr. 1: ein Bankangestellter im nagelneuen Jeep, der nebenbei „Direktor“ auf einer Farm irgendwo im Nirgendwo spielt. Auto Nr. 2: ein Taxi aus entgegengesetzter Richtung. Wir haben bereits Platz genommen, als uns der Fahrer mitteilt, er habe nicht mehr genügend Benzin um die Strecke erneut zu fahren. Typisch! Fata Morgana, oder wie? Hitze, eine unwirkliche Landschaft (kein Strauch, vor allem keiner, hinter den man eine kurze Dienstreise unternehmen könnte, wenn ihr versteht, was ich meine).

There were plants and birds. and rocks and things,
There was sand and hills and rings.
The first thing I met, was a fly with a buzz,
And the sky, with no clouds.
The heat was hot, and the ground was dry,
But the air was full of sound.

I've been through the desert on a horse with no name,
It felt good to be out of the rain.
In the desert you can remember your name,
'Cause there ain't no one for to give you no pain.

(America; A Horse with no Name)

Auto Nr. 3: acht junge Herren in einen alten Militär-Geländewagen gequetscht, haufenweise Tonnenbrot auf dem Schoß. Holprige Wege, gute Stimmung und ordentlich Durchzug. Nach kurzer Zeit halten wir an und das Picknick-Equipment wird ausgepackt. Darunter natürlich auch Chacha und Wein. Das wiederum schälerte die Aufenthaltsdauer am eigentlichen Ziel der Reise irgendwie, da keiner mehr so recht viel Interesse für Kultur und Geschichte aufbringen konnte. Leider hatten wir nicht die Möglichkeit, auf den Berg zu steigen, um nach Aserbaidschan hinüber zu blicken.  Es war schwer genug, eine Mitfahrgelegenheit zu erwischen, wir wollten uns das Angebot auf eine Rückreise im bis unters Dach beladenen Jeep einfach nicht durch die Lappen gehen lassen. Und den bitchebis genügten eben ein paar Gruppenfotos aus sämtlichen Blickwinkeln mit allen Möglichen Konstellationen. So war das ..

Donnerstag, 10. April 2014

Endlich um(/n)gezogen!

 
 
 
Lange träumten sie vor sich hin - malten sich aus wie es wohl wäre, in so ein kleines Hirten-Domizil (stillgelegte Autos/ Anhänger) umzusiedeln, die hier oftmals so malerisch in der Landschaft stehen. Nun war es endlich so weit: der Tag des Umzugs war gekommen. Aus dem Wohnanhänger ward ein Haus geworden, ein Häuschen. Mitten im Dorf steht es. Direkt daneben - die Altweiber-Tratschbank. Ob dieses Plenum es wohl gut heißen wird, dass sich da zwei unverheiratete gogos in die Nachbarschaft eingeschlichen haben? Wir werden sehen. Wie sieht es bei uns so aus? Ihr werdet sehen ..

Dienstag, 8. April 2014

Shaori Lake - "3 Tage wach"

Ein extremes Wochenende liegt hinter mir – extrem anstrengend und zugleich extrem schön. Am Donnerstag machten wir uns auf den Weg; von unserem überschaubaren Dörfchen Argokhi in die zweitgrößte Stadt Georgiens. Kutaisi ist auf jeden Fall eine Reise wert. Diese Stadt im Westen besitzt neben vielen Sehenswürdigkeiten eine Menge Charme. Nach sieben Stunden turbulenter Marschutka-Fahrt fanden wir uns am Abend direkt in einem richtig schmucken Café wieder. Die DJs die an diesem Abend auflegten sollten auch an den darauffolgenden Tagen auf dem Festival auflegen. Eine gute Einstimmung also – spätestens als das Lied „3 Tage wach“ durch den Raum hallte, war ich bereit. Bereit zu einem Festival der etwas anderen Sorte. Nachdem wir auf dem Markt einiges an Proviant zusammengesammelt hatten, ging es am Nachmittag los. Alle trafen sich auf einem zentralen Platz mitten in der Stadt. Alle mit riesigen Rucksäcken bepackt und allerhand technischem Equipment. Es dauerte einige Zeit, bis alles (Zubehör und Menschen) in den Autos verstaut war. Es konnte losgehen – eineinhalb Stunden Fahrt durch eine wundervolle Landschaft. Unten Frühlingsgefühle pur – oben Gänsehaut. „Die spinnen, die Georgier!“, dachte ich mir, als wir schließlich an dem See ankamen, an dem das Festival stattfinden sollte. Die ersten Bitchos machten sich sodann auf den Rückweg, als sie merkten dass die Veranstalter dort, und genau dort, ihre Zelte aufschlagen wollten (ob aus Abenteuerlust oder Sturheit). Gleich neben dem See befindet sich ein vom vorherigen Präsidenten errichtetes Camp für „junge Patrioten“, mit kleinen Häuschen, einer Bühne, einem Fußballplatz und einem Gemeinschaftshaus. Nun war dieser Platz verwaist, bis auf eine Familie, die dort in einem der kleinen Ferienhäuser wohnt und sich um die Wartung der Anlage kümmert. Wir konnten sie dazu überreden, uns das Gemeinschaftshaus für das Wochenende zu überlassen (im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie sie das ganze ohne dieses Stücklein Zivilisation aufgezogen hätten). Alles schien so unwirklich und so absurd. Dieses Gefühl steigerte sich mehr und mehr und erlebte seinen Höhepunkt am Morgen des zweiten Tages, als nach einer Nacht mit einer Außentemperatur von -6°C innerhalb weniger Minuten alles weiß war. An den Abenden war es sehr ausgelassen – ich fühlte mich immer wieder zurückerinnert, an die kleinen Festivals bei uns in der Nähe. Elektronische Musik, tanzbar – genau das richtige für die Maria eben. Endlich wieder tanzen! Das tat ich dann auch ausgiebig (anders hätte ich mir wahrscheinlich Frostbeulen geholt). Und: endlich einmal hauptsächlich unter Georgiern (es waren nur 5 Ausländer anwesend). Eigentlich war das nur das „Ersatzfestival“, weil der Berg, auf dem es ursprünglich stattfinden sollte, zugeschneit war. Das heißt, es gibt vielleicht bald schon eine Wiederholung. Geile Sache!

Donnerstag, 3. April 2014

Aufleben, Ausleben

Es sind die vielen kleinen Sorgen,
die nagten auf der Stirn und in den Mägen,
eine Neuinterpretation von Nervensägen.

Anfang, Anlauf, Ansatz, Auftakt, Beginn, Debüt, Entstehung, Fundament, Keim, Start

Leben und leben lassen;
ich seh' mich um und bin gelassen,
fast euphorisch, Aufbruchsstimmung.

Samstag, 29. März 2014

Grüne Wiesen, weiße Berge und so viel Arbeit

Warum die Berge weiß sind? Nein, geschneit hat es nicht mehr (zum Glück). Der Frühling steckt dahinter. Er ist einfach überall – wir sind umzingelt. Unser Dorf liegt in einem Tal, um das sich kleine Hügelketten aufgereiht haben, die hier noch weiß, dort schon grün schimmern. Während meiner Abwesenheit haben Thalia und eine Wwooferin gute Arbeit geleistet – die Keimlinge in unserem Garten wachsen und gedeihen. Bewusst wähle ich die Worte „unser Garten“, es handelt sich nämlich wirklich um unseren eigenen, privaten Garten. Wir waren die Nachfragen und das Bevormundetwerden leid und so haben wir entschieden, die Fläche vor dem Haus eines Bekannten zu bewirtschaften. Das Beste ist: es darf experimentiert werden! Wir verzichten auf die Anlage von Beeten und setzen stattdessen auf das Säen in Reihen (mit je 70cm Abstand). So kann ein Esel-Zuggerät zum Jäten eingesetzt werden und die Pflanzen sind einfach zu erreichen. Auch ist die Fläche kleiner, die tatsächlich bearbeitet werden muss. Die verwendeten Samen sind teilweise drei oder mehr Jahre alt und wurden mit neueren vermischt, um einerseits sparsam vorzugehen, andererseits wird so ein gewisser Ertrag sichergestellt. Doch neben diesem Garten bewirtschaften wir nun auch noch einen dritten. Es handelt sich um eine experimentelle Versuchsfläche vor Davids Haus. Dort wurde schon im vergangen Jahr erfolgreich Projekt initiiert. Gemeinsam mit Frauen aus dem Dorf hat man Calendula angebaut und für den Verkauf präpariert. Nun soll die Produktpalette erweitert werden und zu diesem Zweck möchte man herausfinden, welche Pflanzen in diesem Klima gut gedeihen. In dieser Woche haben wir mit dem Anbau von Kamille begonnen, bald schon folgt die Malve. Drei Gärten, zwei Gärtnerinnen – ob wir uns da mal nicht zu viel vorgenommen haben.      

Als der Wald brannt‘

Diese Szene hätte aus einem Film stammen können; Thalia und ich auf Fahrrädern sitzend (Fahrräder, eine Seltenheit; Mädchen auf Fahrrädern, extremer Seltenheitswert) – die Arme ausgestreckt – das blaue Kleid mit den weißen Punkten flattert im Wind (auf dem Fahrrad ist das eher unvorteilhaft) – im Dorf ist es still – Wetterumschwung – vorbeifahrendes Feuerwehrauto (das erste, das wir hier je sahen) – Blicke in Richtung des Waldrands – Waldbrand. Meine Wangen glühen, auch dort hat es schon gebrannt, gestern als die Sommerklamotten hervorgekramt wurden. Noch etwas brennt – es ist der Bienenstich an meinem Arm. Im Herzen macht sich auch ein kleiner Schmerz breit. Es ist die Tatsache, dass wir nach einem halben Jahr in diesem Land die Sprache noch nicht im Entferntesten beherrschen. Tagsüber umgeben von Europäern, kein Georgisch-Unterricht und ein Mangel an Energie nach einem anstrengenden Tag im Garten – das alles zieht nun nicht mehr. Wir müssen, weil wir wollen. Und wir wollen es immer mehr. Warum sind wir nicht schon eher auf die Idee gekommen, in der Schule des benachbarten Dorfs nachzufragen, ob dort ein Englisch-Lehrer etwas Zeit für uns zwei hat? Das weiß keiner, doch das ist nun auch nicht mehr wichtig. Kalebis mußußi (Schürzenjäger) und alubali (Sauerkirsche) – unser Wortschatz wird reicher, doch es liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.