
Immer wenn ich solche Begriffe in Gesprächen mit den anderen Freiwilligen zu hören kriege, schüttelt es mich. „Su däd des ba uns kana song!“, denke ich mir. Bei uns, ja, seit ich hier bin fühle ich mich fränkischer denn je. „From where in Germany are you?“ – tja, „Breitenlesau!“ brauche ich darauf wohl nicht zu antworten. Was sagt man stattdessen? Bavaria? Und im Nebensatz ein „northern part“ nachgeschoben? Franconia? Franconian Switzerland? Die Deutschen, die man hier nicht selten antrifft, erahnen nach wenigen Worten bereits meinen Süddeutschen-Migrationshintergrund. Ja, richtig gehört, liebes Brüderlein, für die Ohren der Nicht-Franken hört sich selbst mein höchstes Hochdeutsch doch recht fränkisch an. Ganz austreiben konnten mir das weder Gymnasium, Freunde ohne Fränkisch-Kenntnisse oder ein Auslands-Aufenthalt. Wenn es bei uns hier so weiter geht, schreibt Thalia nach dem Jahr noch ein Buch „Deutsch – Fränkisch, Fränkisc

h – Deutsch; Mein Jahr mit einer Oberfränkin“. Im Anhang befände sich wohl eine Liste mit Ausdrücken, die einen Franken zum Stutzen/ Lachen/ Weinen brächte. Und am Anfang stünde eine Liste mit landestypischen Lauten, damit man die Vokabeln auch richtig aussprechen lernte. Genug der Spinnereien. Erstaunlich für mich ist, dass hier jeder Deutschland kennt und natürlich jemanden, der Deutsch spricht. Die Autos tragen die Firmenlogos und Aufschriften deutscher Kleinunternehmen, da viele Fahrzeuge aus Deutschland stammen. „Heizungstechnik Schramm und Sohn, Herbert-Meißner-Str. 8, 25481 Hintertupfing? – Was zum Henker?!“. Hinz und Kunz fährt Benz, nur nicht Lenz (Georgi/ Tamasi/ Emsari), der fährt VW. (Beim Import scheinen jedoch einige Teile auf der Strecke geblieben zu sein - wer braucht schon einen Frontspoiler?) Im Gegensatz dazu wurde ich in Deutschland des Öfteren schief angeschaut beim Erwähnen meines Einsatzlandes und gefragt: „Nach Russland?“. Tiblisi unterscheidet sich nicht gravierend von EU-Hauptstädten – die meisten Leute sind sehr liberal eingestellt, die Mädels tragen High-Heels für die wir bei uns wahrscheinlich einen Waffenschein bräuchten und in den Diskos spielt die Musik bis zum Mittag des nächsten Tages. Ok, letztere sind vielleicht nicht so zahlreich wie in deutschen Städten, doch geht da auch ziemlich die Post ab (im Selbst-Versuch vorgestern ausgetestet). Kehrt man dann wieder auf’s Land zurück, nimmt die Liberalität stetig ab und die Religiosität sprunghaft zu, aber das ist bei uns ja auch nicht wirklich anders ;) Dieses Foto stammt aus der Jugendzeit eines Künstlers, dessen Retrospektive wir gestern besucht haben – ich mag es sehr ..
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen