Sonntag, 17. November 2013

Spuk unterm Riesenrad

Eigentlich sollten wir im Moment in Sighnaghi verweilen, zusammen mit anderen Freunden auf dem Woofing-Hof eines Winzers (der, der seine Flaschen selbst bemalt). Doch nun sitzt einer der Freunde auf einem Kaki-Baum und die andere immer noch in einem Seminar fest. Es kommt eben grundsätzlich mal anders, als man denkt. Doch das Leben fügt, es geht jedoch nie den Weg, den man in Gedanken vorher schon bis zum Ende und noch weiter abgeschritten ist. Es bahnt sich seinen Weg, einfach so. Jedenfalls sind wir jetzt einmal mehr in der Hauptstadt und verweilen einmal mehr in unserem 3ten Zuhause: dem Fox Hostel. Es war eine lange Nacht - die Ringe unter meinen Augen verraten mich. Alle anderen Freiwilligen sind gerade "ausgeflogen" (nicht in Tiblisi), deshalb mussten Thalia und ich uns selbst etwas ausdenken, um unsere Freizeit hier gewinnbringend zu vertrödeln. Also folgten wir dem Tipp der Hostel-Gemeinde - ein Konzert in irgendeinem Park. Es handelte sich, wie wir erst später herausfanden, um einen Freizeitpark, in den man nur mittels einer Gondel gelangen kann. Darüber hinaus befand sich der Club doch tatsächlich unterhalb eines Riesenrades. Soweit, so seltsam. Die deutscheste aller Tugenden haben Thalia und ich anscheinend noch nicht ganz ablegen können - die Pünktlichkeit. Anfangs dachte ich ja, dass mir das nicht besonders schwer fallen sollte (das Stengleinsche-Denkschema: dann losmarschieren, wenn man bereits dort sein müsste). Hier gehen die Uhren doch ein bisschen anders - selbst klassische Konzerte beginnen längst nicht zum angegebenen Zeitpunkt (da wird meist noch geprobt). Und so kam es, dass wir gestern ungefähr zwei Stunden zu früh bei diesem Konzert die Zelte aufschlugen. Ich sage das so, weil man anfangs nichts anderes tun konnte, als sich auf die riesige Veranda in einen Sitzsack fallen zu lassen und dabei die Aussicht über die ganze Stadt zu genießen. Vor allem dann, wenn man das System mit der Getränkebestellung nicht im Mindesten durchblicken konnte. Als sich der immens große Raum schließlich doch noch mit Menschen gefüllt hatte, konnte es losgehen. Anfangs sehr schleppend, doch je besser die Musik wurde, desto besser wurde unsere Stimmung. Am Ende tropfte vermutlich wirklich der Schweiß von der Decke - so viele Menschen, die derart am Ausrasten waren, unglaublich! Irgendwann heute Morgen bewegten wir unsere geschundenen Füße dann doch wieder in Richtung der uns mittlerweile wohl bekannten Rustaveli Ave. Doch auch hier hat das Nachtleben noch lange nicht aufgehört zu pulsieren - und so schliefen wir schließlich zu den eingängigen Beats des Nachbarclubs friedlich ein.

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