Eigentlich sollten wir im Moment in
Sighnaghi verweilen, zusammen mit anderen Freunden auf dem Woofing-Hof eines
Winzers (der, der seine Flaschen selbst bemalt). Doch nun sitzt einer der
Freunde auf einem Kaki-Baum und die andere immer noch in einem Seminar fest. Es
kommt eben grundsätzlich mal anders, als man denkt. Doch das Leben fügt, es
geht jedoch nie den Weg, den man in Gedanken vorher schon bis zum Ende und noch
weiter abgeschritten ist. Es bahnt sich seinen Weg, einfach so. Jedenfalls sind
wir jetzt einmal mehr in der Hauptstadt und verweilen einmal mehr in unserem
3ten Zuhause: dem Fox Hostel. Es war eine lange Nacht - die Ringe unter meinen
Augen verraten mich. Alle anderen Freiwilligen sind gerade
"ausgeflogen" (nicht in Tiblisi), deshalb mussten Thalia und ich uns
selbst etwas ausdenken, um unsere Freizeit hier gewinnbringend zu vertrödeln.
Also folgten wir dem Tipp der Hostel-Gemeinde - ein Konzert in irgendeinem
Park. Es handelte sich, wie wir erst später herausfanden, um einen
Freizeitpark, in den man nur mittels einer Gondel gelangen kann. Darüber
hinaus befand sich der Club doch tatsächlich unterhalb eines Riesenrades.
Soweit, so seltsam. Die deutscheste aller Tugenden haben Thalia und ich
anscheinend noch nicht ganz ablegen können - die Pünktlichkeit. Anfangs dachte
ich ja, dass mir das nicht besonders schwer fallen sollte (das Stengleinsche-Denkschema:
dann losmarschieren, wenn man bereits dort sein müsste). Hier gehen die Uhren
doch ein bisschen anders - selbst klassische Konzerte beginnen längst nicht zum
angegebenen Zeitpunkt (da wird meist noch geprobt). Und so kam es, dass wir
gestern ungefähr zwei Stunden zu früh bei diesem Konzert die Zelte aufschlugen.
Ich sage das so, weil man anfangs nichts anderes tun konnte, als sich auf die
riesige Veranda in einen Sitzsack fallen zu lassen und dabei die Aussicht über
die ganze Stadt zu genießen. Vor allem dann, wenn man das System mit
der Getränkebestellung nicht im Mindesten durchblicken konnte. Als sich
der immens große Raum schließlich doch noch mit Menschen gefüllt hatte, konnte
es losgehen. Anfangs sehr schleppend, doch je besser die Musik wurde, desto
besser wurde unsere Stimmung. Am Ende tropfte vermutlich wirklich der Schweiß
von der Decke - so viele Menschen, die derart am Ausrasten waren, unglaublich!
Irgendwann heute Morgen bewegten wir unsere geschundenen Füße dann doch wieder
in Richtung der uns mittlerweile wohl bekannten Rustaveli Ave. Doch auch hier
hat das Nachtleben noch lange nicht aufgehört zu pulsieren - und so schliefen
wir schließlich zu den eingängigen Beats des Nachbarclubs friedlich ein.
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